ARD produziert Doku gegen Antifa-Ost und „Linksextremismus“!

Unter dem Titel „Linksextremismus – Die unterschätzte Gefahr?“ haben Marie-Luise Grauel sowie Lisa Wreschniok eine knapp 35-minütige Doku für das ARD-Politikmagazin „report München“ produziert. Alle denkbaren Klischees über Linke, bzw. „Linksextreme“ werden bedient: kriegerisch, gewalttätig und stumpf. Auch die Hufeisentheorie darf nicht fehlen: was wäre wohl los, wenn all diese Angriffe von Neonazis begangen würden.

Der Anlass und die Hintergründe für die Doku

Anknüpfungspunkt der sich selbst als „investigative Dokumentation“ bezeichnenden ARD-Doku ist das Antifa-Ost-Verfahren in Dresden, in welchem sieben Antifaschist:innen angeklagt sind. Ihnen wird vorgeworfen Neonazis körperlich attackiert zu haben.

Die Doku spannt dann den Bogen nach Budapest, dort sollen Antifaschist:innen im Frühjahr 2023 verletzt haben. Breiteren Raum nimmt Maja ein, die non-binäre Person aus Deutschland, die nach Ungarn überstellt und dort zu acht Jahren Haft verurteilt wurde.

Auch die Verurteilung Hannas, im Zusammenhang mit den Vorwürfen, in Budapest Nazis verletzt zu haben, wird angesprochen.

Um zu belegen, wie gewalttätig „Linksextremisten“ sind, wird dann noch auf die „Vulkangruppe“ verwiesen, die Anfang des Jahres in Berlin für einen Stromausfall gesorgt haben soll. Aber auch Disarstar wird eingespielt, mit seinem Song „Siamo tutti“, in welchem es heißt: „Wir kommen in Schwarz, Dicka, Mit paar Liter Ethanol, Keine Liebe für den Staat, Siamo tutti Antifa“, um die Gewalttätigkeit zu untermauern.

Die staatlichen Protagonist:innen

Die beiden ARD-Journalistinnen haben viel aufgeboten: den sächsischen Innenminister Armin Schuster, den Präsidenten des Landesamtes für Verfassungsschutz in Sachsen, Dirk-Martin Christian, Professor Dr. Peter Neumann vom King’s College Cambridge sowie zwei Pressesprecher:innen des OLG München, Laurent Lafleur sowie des OLG Dresden, Meike Schaaf.

Unisono betonen sie wie gefährlich Linke seien, wie perfide sie Spuren verwischen. Wie der Professor aus Cambridge zu berichten weiß, gebe es sogar Handbücher die verraten, wie man DNA-Spuren vermeide. Dirk-Martin Christian vom Verfassungsschutz darf sich diebisch freuen, wie sie Johann G., einen der Angeklagten im Antifa-Ost-Verfahren, der einige Jahre untergetaucht waren, am Ende doch, „in einem Regionalzug“ verhaften konnten.

Laurent Lafleur aus München begeistert sich für Antifaschimus, bzw. die Bekämpfung von Faschismus, aber nur innerhalb der Grenzen des Rechts, weswegen man auch nicht Antifaschismus verfolge, sondern „Körperverletzung“. Inneminister Schuster wiederholt immer wieder, wie gefährlich und unterschätzt Linksextremisten seien. Wenn in Leipzig Plakate durch die Gegend getragen würden, mit ACAT („All Cops are targets“), und es erfolge darauf keine Reaktion, dann sei das richtig schlimm.

Die Rote Hilfe e.V.

In einer investigativen Doku zu diesem Thema darf die Rote Hilfe nicht fehlen. Ganz „investigativ“ haben sich die beiden Dokumentarfilmerinnen die Internetseite der Roten Hilfe angeschaut, aber sich auch mit einem Nürnberger Genossen getroffen. Dieser stellt die Arbeit der Roten Hilfe vor, kann aber letztlich der Gesamttendenz des gesamten Films nicht wirklich etwas entgegen setzen. Der Präsident des sächsischen Verfassungsschutzes empört sich, dass Linksextremisten finanziell durch die Rote Hilfe abgesichert werden.

Selbstverständlich ermitteln die beiden ARD-Journalistinnen, welche LINKEN-Bundestagsabgeordneten Mitglieder der Roten Hilfe sind. Viel investigativer Recherche bedurfte es hier allerdings nicht, denn die Angaben fanden sich auf den jeweiligen Webseiten der Parlamentarier:innen.

DIE LINKE – Dr. Martin Schirdewan

Dr. Schiredwan ist Mitglied der Linken und Abgeordneter im Europäischen Parlament. Er setzt in der Doku einen Kontrapunkt zu dem staatlichen Narrativ der hemmungslos gewalttätigen linken Szene und insbesondere zum Fall von Maja T. kommt er in der Doku auch mehrfach mit seinen kritischen Einordnungen zu Wort.

Die Videoaufnahmen

In der Doku werden verschiedene Videos von angeblichen Angriffen auf Neonazis gezeigt sowie Aufnahmen aus dem ungarischen Gerichtssaal mit Maja T. In Leipzig scheint der Kameramensch auch einen Treppenaufgang hinauf zu gehen, der zu einem Raum führen soll, in welchem angeblich Mitglieder von „Antifa-Ost“ Kampfsporttrainings abgehalten haben.

Der Gesamteindruck

Als ARD-Doku, ist diese nicht ganz so erratisch und rechtslastig, wie wenn sie beispielsweise von NIUS, jenem rechten Medienportal des ehemaligen BILD-Chefredakteurs Reichelt, produziert worden wäre. Jedoch scheint mir am Ende, der Abstand zu NIUS ist nicht mehr allzu weit zu sein.

ARD-Investigativjournalistin Marie-Luise Grauel schreibt regelmäßig für die Wochenzeitung „Die Zeit“ , gerne auch mal ein Rührstück („Wo Rechte mit Linken trinken“ aus Eisenach). Also für eine Wochenzeitung die sich auch immer mehr nach rechts bewegt. Ja, es kamen linke Aktivist:innen zu Wort, darunter auch eine anonym bleibende Person, die desillusioniert von den Klimaprotestesten, nun härtere Protestformen erwartet. Dazu der Genosse der Roten Hilfe sowie der LINKEN-Abgeordnete, aber das scheinen nicht mehr als Feigenblätter zu sein, denn den Schwerpunkt bilden die „Staatsschützer:innen“ der Gerichte, des Innenministeriums, des Verfassungsschutzes und dieser Professor aus Cambridge.

Dennoch lohnt es sich, die Doku anzuschauen, denn durch die Präsentation in der ARD hat soetwas dann doch noch einen anderen Impact, als ein NIUS-Video.

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