Ulrich Siegmund und die rechtsextreme KI-Band „Eichenherz“

Kürzlich postete AfD-Frontmann Ulrich Siegmund auf seinem Instagram-Kanal ein Photo von seiner Ehefrau Julia und sich selbst. Er kommentierte das Bild mit einer Zeile eines Songs des KI-Musikprojekts „Eichenherz“: Spannender als das Posting sind jedoch die offenbar enge Verbindung von Ulrich Siegmund, bzw. der AfD zu dem offen rechtsextremen Projekt „Eichenherz“ .

Das Posting von Ulrich Siegmund

Das rechte Portal NIUS berichtete unter der Überschrift „Wer ist die Frau von Ulrich Siegmund“, diese habe kürzlich ein Photo online gestellt, welches ebenfalls ihr Mann, der AfD-Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund teilte. Dieser ergänzte das Photo noch um den Kommentar „Es beginnt hier und von hier geht es weiter und alles ist möglich – mit dir!“, entnommen dem Song „Alles ist möglich“ dem rechtsextremen Musikprojekt „Eichenherz“.

Verbindung zu der KI-Schöpfung „Eichenherz“

Das KI-Musikprojekt Eichenherz, laut Eigenbeschreibung, „Die Tanzkapelle der Revolution“, ist spätestens seit 2025 aktiv. Der genaue Gründungstag ist öffentlich nicht dokumentiert; der zugehörige YouTube-Kanal wurde im August 2025 eingerichte und zählt über 300.000 Hörende im Monat. Als Verantwortlicher tritt ein Alexander Holl auf: Im Impressum der Website wird er als „Band Management“ genannt.

Im Januar 2026 meldete Alexander Holl den Namen „Eichenherz“ zur Eintragung als Marke an; die Eintragung selbst erfolgte im März 2026. Eine weitere Recherche ergab, dass er Markeninhaber der im rheinlandpfälzischen Holzhausen angesiedelten Firma „Hasta La Ultra“ ist.

„Eichenherz“ veröffentlicht seit Monaten in großer Zahl rechtsextreme Songs. Der Song „Euer Albtraum“ wird beworben mit dem Hinweis, er sei „der Spiegel für jeden, der durch seine Stimme die tägliche Qual mitfinanziert. Ihr hattet die Wahl, ihr hattet die Macht – jetzt lebt mit den Geistern, die ihr riefet. Jedes Opfer ist auch eure Schuld. Ihr hättet genauso gut das Messer selbst führen können!“. Den SPIEGEL-Titel über den „gefährlichsten Mann Deutschlands“ umgehend aufgreifend, veröffentlichte „Eichenherz“ einen gleichnamigen Song zur Huldigung Siegmunds. Andere Titel heißen „Wir wollen unser Land zurück“, „Remigration 26“, „1942 (Nach Stalingrad im Schnee)“.

In einem reel auf Instagram werden Antifaschist:innen als „Wanzen“ beschimpft und das Kinderlied „Auf der Mauer, auf der Lauer“ entsprechend umgetextet, gedacht als Replik auf den Song „Scheiß AfD“.

Aktuell wird auf eBay von „Eichenherz“ ein sogenanntes „XXL Fanpaket“ im Rahmen einer „Charity Auktion“ versteigert und damit beworben, das ganze sei von Ulrich Siegmund signiert. Einnahmen hieraus überlasse man, heißt es auf der Webseite, „bewusst Ulrich Siegmund bzw. seinem Büro“.

Fazit: „Eichenherz“ der Prototyp künftiger Massenkommunikation

Das Projekt „Eichenherz“ist vor allem deshalb interessant, weil sich hier exemplarisch aufzeigen lässt, wie „künstliche Intelligenz“ für rechtsextreme politische Kommunikation verwendet wird. Mit vergleichsweise geringem Aufwand werden permanent neue Inhalte produziert um unverzüglich in die soziale Netzwerke und Streamingplattformen eingespeist zu werden.

Dabei geht es nicht nur um die Verbreitung einzelner rechtsextremer Botschaften. Bemerkenswert ist vielmehr die Verwobenheit mit der politischen Kommunikation der AfD: die Grenzen zwischen Musikprojekt, digitaler Propaganda und parteipolitischer Inszenierung werden durchlässig. Aus politischen Botschaften der AfD, oder Berichten über die AfD, werden Songs, aus Songs Social-Media-Inhalte und aus diesen wiederum Material für die öffentliche Selbstinszenierung des AfD-Spitzenkandidaten.

Das ist keine wirklich neue Dimension rechter Medienstrategie sondern KI erhöht das Tempo und die Schlagzahl. Die KI ermöglicht politische Kommunikation in einer solchen Geschwindigkeit und Menge, einschließlich des schier in unendlicher Menge produzierbaren Bullshits, wie sie mittels klassischer Produktionsformen kaum denkbar wäre.

„Eichenherz“ muss deshalb als Symptom einer politischen Entwicklung verstanden werden: Rechtsextreme Akteur:innen beginnen, sich die Möglichkeiten generativer KI für ihre digitale Massenkommunikation zu erschließen und sie verbinden diese zunehmend mit den schon vorhandenen Strukturen und Reichweiten der AfD.

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