Erneuter rechter Angriff auf Zelle79 in Cottbus – „Wir müssen uns organisieren, um die Rechten zurückzudrängen!“, sagt Pfarrer Lukas Pellio

Das Jahr 2025 endete für das linke Projekt Zelle79 in Cottbus mit einem großen Schrecken: wieder ein rechter Angriff, diesmal mit Sprengstoff. Auch wenn niemand körperlich verletzt wurde, der Schreck sitzt tief. Radio Dreyeckland sprach mit Lukas Pellio, von der Initiative Sichere Orte Südbrandenburg über den Anschlag, die Folgen und was nun zu tun ist.

In der Nacht zum 30. Dezember wurde das alternative Hausprojekt Zelle79 in Cottbus angegriffen. Ein pyrotechnischer Sprengkörper explodierte direkt am Eingang, zerstörte Tür und Briefkasten, Glassplitter und Holz flogen mehrere Meter weit. Anwohnende hörten noch in 100m Entfernung die Explosion. Nur durch Zufall wurde niemand verletzt. Zelle79 ist seit Jahren Ziel rechter Angriffe.

Die „Omas gegen Rechts“ in Cottbus riefen noch am selben Tag zu einem solidarischen Schutz von Zelle79 auf, um insbesondere in der Silvesternacht die Menschen dort vor weiteren Naziangriffen zu schützen.

Über all das sprach ich für Radio Dreyeckland am 05.01.2026 mit Pfarrer Lukas Pellio, dem Sprecher der Initiative Sichere Orte Südbrandenburg.

Pellio betont, dass es nicht ausreiche sich auf die Polizei zu verlassen, sondern neben zivilgesellschaftlicher Solidarität sei es erforderlich, sich so zu organisieren, dass die Rechten Angst bekommen und sich nicht mehr weiter auszubreiten trauen. 

Das Interview kann hier nachgehört werden.

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Seit 21 Jahre in Isolationshaft – „Ich bleibe immer auf mich zurückgeworfen“, so Christian Bogner

Christian Bogner ist 70 Jahre alt, seit über 21 Jahren sitzt er in Isolationshaft. Mehrfach in den vergangenen 50 Jahren erfolgreich aus Gefängnissen geflohen, wurde er nach seiner letzten Flucht am 26. Oktober 2004 aus der JVA Lübeck nur Tage später festgenommen. Weil er während der Flucht einen Menschen getötet haben soll, wurde Christian Bogner zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt. Gegen dieser Verurteilung läuft zur Zeit ein Wiederaufnahmeantrag. Seit seiner Festnahme Ende Oktober 2004 wird er von der Justiz in Sicherheitsstationen in Einzelhaft gehalten.

Seine Situation wirft zentrale Fragen auf: Wie viele Jahre ohne echten sozialen Kontakt sind psychisch und körperlich verantwortbar? Studien bezeichnen extrem lange Isolation als traumatisierend, manche Expert*innen sprechen bei langjähriger Einzelhaft von Folter. Wie wirkt sich extrem lange Isolation auf Menschen aus?

Wie hat die langjährige Isolation Christian Bogners Erleben verändert, wie schaut er aus seiner Zelle in der JVA Oldenburg, auf sich selbst und auf das Thema Isolationshaft?

Für Radio Dreyeckland konnte ich mit Christian telefonieren und ihn so interviewen.

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Lautstarke und kämpferische Knastdemo am 31.12.2025- und RDL war vor Ort!

Am 31. Dezember 2025 fand vor und um die Freiburger Justizvollzugsanstalt die Silvesterkundgebung statt. Kurz nach 18 Uhr versammelten sich um die einhundert Menschen vor dem 1878 fertiggestellten Gefängnis. Auch die Polizei war zahlreich vor Ort, mit Helmen am Gürtel und latent aggressivem Auftreten: denn kaum war der Demonstrationszug losgelaufen, wurde er von der Polizei schon gestoppt. Auf Frage von Radio Dreyeckland was der Anlass hierfür sei, teilte ein Polizist mit, es seien aus der Kundgebung heraus verbotenerweise Raketen gezündet und über die Gefängnismauer geschossen worden.

Der Stimmung tat der vorübergehende Stopp keinen Abbruch, die Menge skandierte lautstark „Hass, Hass, Hass, wie noch nie“. Der Demonstrationszug konnte erst nach rund 15 Minuten weiter gehen.

Für Radio Dreyeckland durfte ich von vor Ort berichten. Ich sprach während der Kundgebung mit einem ehemaligen Langzeitinsassen, der erstmals auf der Demo dabei war. RDL hat, wie in den vergangenen Jahren, die Kundgebung live übertragen und dokumentiert in dem knapp 70-minütigen Zusammenschnitt nicht nur die kämpferische Stimmung der Teilnehmenden, sondern ebenfalls die Redebeiträge der Demo-Orga, vom ea Dresden, des ehemaligen Gefangenen Thomas, Grüße von der Antiknastdemo aus Berlin, der Roten Hilfe Ortsgruppe Freiburg, der Unterstützer*innengruppe gegen Abschiebehaft Baden-Württemberg, sowie von Anarchists4Palestine Freiburg. Zudem gab es noch einen Hinweis auf die Gruppe Court Watch, die in Freiburg und im Umland in Gerichten Prozesse besucht.

Hier kann die rund 70-minütige Dokumentation der Demonstration nachgehört werden.

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GLS-Bank kündigt linken Strukturen Bankkonten – „Wir müssen wieder Bargeld sammeln“, rät abc Dresden

Das Anarchist Black Cross Dresden unterstützt seit Jahren politische Gefangene und von Repression betroffene Aktivistinnen – lokal wie international. Für diese Solidaritätsarbeit sind Spenden und funktionierende Konten existenziell. Mitte November wurde dem Verein, über den diese Spenden liefen, von der GLS-Bank fristlos das Konto gekündigt. Andere Banken verweigerten anschließend die Kontoeröffnung. Der Fall steht nicht für sich: Auch linken Organisationen und Parteien wie der DKP, wurden zuletzt Konten entzogen.

In der Linken galt die GLS-Bank, trotz ihrer anthroposophischen Bezüge, bis zuletzt für nicht wenige, als eine „gute“ oder als eine „ethische“ Bank.

Zu den Kontokündigungen in jüngster Zeit, teilte auf Anfrage von Radio Dreyeckland die Pressesprecherin der GLS-Bank, Galika Ivanov, mit, dass es sich aus Sicht der Bank nicht um politisch motivierte Vorgänge handele. Die Bank nehme die öffentliche Debatte sehr ernst und man sei sich auch der Bedeutung von Transparenz bewusst.

Ich konnte für Radio Dreyeckland mit Nina sprechen, von abc Dresden. Es ging über das „Debanking“: die Strategie, Menschen oder Vereine von der Kontoführung auszuschließen. Eine zunehmend wirkmächtige Repressionsform gegen linke Infrastruktur. Was das für abc und deren Soliarbeit momentan konkret bedeutet, wie das politisch einzuordnen ist und was emanzipatorische Strukturen künftig möglicherweise verändern sollten.

Um dem „Debanking“ im Rahmen einer kritischen Gegenöffentlichkeit etwas entgegen zu setzen, wird es beim diesjährigen Kongress des CCC in Hamburg seitens abc Dresden, eine Veranstaltung zum Thema „Debanking“ geben.

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Neubau der Tagesklinik der Kinder- und Jugendpsychiatrie – „Kinder kommen bislang zu kurz“, sagt Professorin Dr. Niemeyer

Die Versorgung psychisch erkrankter Kinder und Jugendlicher in Freiburg ist seit Jahren überlastet. Mit dem geplanten Neubau der Tageskliniken der Kinder- und Jugendpsychiatrie soll sich das ändern. Die Finanzierung in Höhe von rund 40 Millionen Euro ist inzwischen gesichert.

Doch der vorgesehene Standort im Stadtteil Herdern ist umstritten. Anwohnende kritisieren Nachverdichtung und Eingriffe in Grünflächen. Im Interview sprach ich bei Radio Dreyeckland kurz vor Weihnachten, mit Professorin Dr. Charlotte Niemeyer, ehemalige Ärztliche Direktorin an der Universitätsklinik Freiburg, über den dringenden Bedarf, den politischen Weg zum Neubau und den Umgang mit der Kritik.

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Abgesagter VHS-Workshop zu Desinformation wird im Februar nachgeholt! – „Vernetzt Euch! Engagiert Euch! Werdet sichtbar!“- Marlene Greiwe von Dreisamtal Gemeinsam

Die Volkshochschule Dreisamtal sagte im Oktober einen Workshop zum Thema „Faktencheck und Desinformation“ ab, nachdem ein rechter Werbe-Design Geaphik Unternehmer und Kampfsportevent Ausbilder auf SocialMedia gegen die Veranstaltung und gegen die an dem Workshop beteiligte Amadeu Antonio Stiftung Stimmung machte. Die CDU-Bürgermeisterin selbst war es, die in die Absage involviert war.

Der Workshop sollte unter Beteiligung der Amadeu Antonio Stiftung durchgeführt werden. Sowohl offen rechtsextreme Kreise wie auch die CDU kritisiert die Stiftung regelmäßig scharf. Die Absage des Workshops machte überregionale Schlagzeilen und zeigt, wie heikel Aufklärung über Desinformation und rechte Propaganda in vielen Regionen noch ist.

Im Februar 2026 soll die Veranstaltung nachgeholt werden, aus organisatorischen Gründen jedoch ohne die Amadeu Antonio Stiftung.

Für Radio Dreyeckland konnte ich mit Marlene Greiwe von Dreisamtal Gemeinsam sprechen, einem überparteilichen Bündnis, das die Demokratie im Dreisamtal, in der Nähe von Freiburg, lebendig halten möchte.

Marlene Greiwe sprach mit mir über die Absage des Workshops im Oktober, über die politischen Hintergründe, die Reaktionen in der Region sowie die Bedeutung von Aufklärung über Fakenews in Zeiten zunehmender Desinformation.

Wer sich für den Workshop am 10.02.2026 anmelden möchte, Beginn: 19:00 Uhr, im Bürgersaal in der Talvogtei, kann dies unter der Homepage von Dreisamtal-Gemeinsam.

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Gewalt in häuslicher Pflege als Problem – Professorin Konopik: „Darüber sprechen, die Scham überwinden, Hilfe suchen!“

Häusliche Pflege gilt oft als Raum der Nähe, Fürsorge und Vertrautheit. Doch sie kann auch zum Ort von Überforderung, Abhängigkeit und Gewalt werden. Sowohl gegenüber pflegebedürftigen Menschen als auch gegenüber pflegenden Angehörigen. Darüber sprechen wir mit Professorin Dr. Nadine Konopik. Sie ist Professorin für Pflegewissenschaft und leitet an der Katholischen Hochschule Freiburg den Fachbereich Angewandte Pflegewissenschaft.

Warum ist Gewalt im Pflegealltag oft unsichtbar, welche strukturellen Ursachen stehen dahinter und wie können Betroffene Unterstützung finden, was muss sich verändern, um das Zuhause zu einem sicheren Ort für Pflegende wie für die Gepflegten zu machen? Darüber konnte ich für Radio Dreyeckland vor wenigen Tagen mit Professorin Konopik sprechen.

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Antifa-Ost-Prozess – Solistruktur von Nanuk im Gespräch – Solidarisch bleiben und sich nicht einschüchtern lassen!

Im sogenannten „Antifa-Ost“-Komplex wird seit einigen Wochen unter anderem gegen Thomas J., bekannt unter seinem Spitznamen Nanuk, vor dem Oberlandesgericht Dresden verhandelt. Ihm und sechs weiteren Antifaschist:innen wird vorgeworfen, sich organisiert gegen Neonazis gewehrt zu haben. Diese antifaschistische Praxis wird seitens des Generalbundesanwaltes als „kriminelle Vereinigung“ bezeichnet und mit allen Mitteln die dieser Staat aufbieten kann, strafrechtlich verfolgt. Nun auch assistiert von der Trump’schen US-Regierung, welche „Antifa-Ost“ kürzlich auf ihre „Terrorismus-Liste“ gesetzt hat.

Im seinem zu Prozessbeginn vorgetragenen Eröffnungsstatement betonte Thomas J. wie notwendig antifaschistischer Selbstschutz sei, wenn rechte Gewalt im Alltag permanent gegenwärtig ist.

Sofia aus den Solistrukturen von Thomas, sprach mit mir im Morgenradio von Radio Dreyeckland über Repression, deren politische Bedeutung, den Prozessverlauf und darüber, wie Solidarität praktisch aussieht.

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